Super Falco – Tiefdecker für Jedermann

Super Falco – Tiefdecker für Jedermann

Was braucht man, um einen tollen Modellflugtag zu erleben? Genau: ein handliches, wendiges Modell, das man immer dabei haben kann. Mit ihren 670 Millimeter Spannweite ist die Laverda Super Falco richtig handlich und sehr wendig. Mit der passenden Motorisierung ausgestattet, muss es auch bei etwas windigeren Tagen nicht zwangsläufig am Boden bleiben, selbst wenn das Abfluggewicht lediglich bei um die 150 Gramm liegt.Dabei ist die Depron-Super Falco wirklich sehr einfach nachzubauen. Betrachtet man die Baustufenfotos in Ruhe, lässt sich erkennen, dass der Aufbau keine großen Geheimnisse bereithält. Dennoch sind ein paar hübsche Details integriert, sei es das angelenkte Bugrad oder der im Querschnitt trapezförmige Rumpf, der dem Modell trotz einfachem Kastenrumpf das gewisse Etwas verleiht.

Kleine Artige
Fliegerisch betrachtet spricht der Eigenbau fortgeschrittene Anfänger mit Querrudererfahrung an. Hat man die Super Falco erst einmal gut eingeflogen – und dazu gehören das Einstellen des Schwerpunkts, Rudertrimm auf Gerade­ausflug und die Größe der Ausschläge – dann belohnt einen die Kleine mit sehr artigem Flugverhalten. Egal, ob man nur gemütlich umhergondelt oder die heißere Gang­art mit wilden Kunstflugeinlagen bevorzugt. Das Flugverhalten ist dermaßen unkritisch, dass man mit voll gezogenem Höhenruder im Sackflug kontrolliert weitersteuern kann. Strömungsabriss? Was ist das?

So ein unkritisches Benehmen ist streng genommen lediglich die Belohnung für eine ganz wesentliche Bemühung: Leichtbau. Und der ist mit Depron wunderbar zu erreichen. Viel ist ja auch nicht dran an dem Fliegerchen: ein vier­eckiger Kastenrumpf, darunter eine gewölbte Platte als Tragfläche und hintendran ein gewöhnliches Kreuzleitwerk. Vier preisgünstige Servos der 3,7-Gramm-Klasse vom Typ Dymond D37 sind vorgesehen, die reichen völlig aus. Im Bauplan ist als Antrieb ein 9-Gramm-Motörchen mit Aluminiumflansch von Pichler genannt und eingezeichnet: der Nano-9G. Damit fliegt es sich prima, es darf aber auch gern etwas mehr sein. BL-Motoren der 15-Gramm-Klasse würden Vortrieb im Überfluss garantieren; Man sollte allerdings bei der Auswahl auf ein hochdrehendes Exemplar achten – zwischen 1.800 und 2.800 Umdrehungen pro Minute –, da die Luftschraubengröße aufgrund der niedrigen Bodenfreiheit auf 6 Zoll begrenzt ist. Als Energiequelle eignet sich ein Shockflyer-üblicher Zweizeller der 300-Milli­ampere-Klasse. Das ergibt je nach genauer Auslegung eine Strombelastung von 6 bis 9 Ampere, weshalb man mit einem 12-Ampere-Steller eine gute Wahl trifft.

Methodenfrage
Begonnen wird damit, alle im Bauplan dargestellten Teile aus dem entsprechenden Baumaterial herauszutrennen. Das wäre in der Hauptsache erstmal Depron, das mit einem scharfen, frischen Abbrechklingenmesser ausgeschnitten wird.Es gibt verschiedene Herangehensweisen, wie man vom Bauplan zum Bauteil kommt. Eine Möglichkeit ist die Schablonenmethode, bei der aus den dargestellten Teilen erst einmal Pappschablonen angefertigt und anhand dieser die Kontur aufs Depron übertragen wird. Nächste Möglich­keit ist die Igelmethode: Plan aufs Material auflegen und mit einer Nadel in geeigneten Abständen an der Kontur entlang pieksen. Diese Einstiche sind im Depron gut sichtbar und müssen nur noch verbunden und ausgeschnitten werden.

Bewährt hat sich auch die Kopiermethode. Dazu fertigt man ausschnittsweise Fotokopien des Bauplans und verwendet diese Papier-Repliken, um sie mit einem Hauch Sprühkleber aufs Depron zu heften. Nun legt man beispielsweise einen Rest 6-mm-Depron als Schneidunterlage drunter und schneidet mit dem scharfen Abbrech­klingen­messer die Einzelteile heraus, indem exakt die Bauteilkontur durchtrennt wird. Wichtig zu wissen ist, dass bei der technischen Zeichnung des Bauplans die Mitte der Linie die wahre Kontur darstellt. Es soll also nicht etwa die Linie stehenbleiben, dann würde sich an beiden Seiten bereits je eine Abweichung von 0,25 mm ergeben. Klingt jetzt pingelig und ist es vielleicht auch, aber es ist immer gut, wenn man weiß, wie es richtig geht.

Kurvendiskussion
Für enge Kontur-Radien empfiehlt es sich, ein Grafiker­skalpell aus dem Künstlerbedarf anzuschaffen, am besten mit einem Vorrat an Wechselklingen. Diese hochwertigen Messer besitzen vorn einen sehr spitzen Winkel. Wird die Klinge nun senkrecht in die Linie durchs Depron und bis in die Depron-Schneidunterlage hindurchgestochen, lassen sich mit sägenden Bewegungen die engsten Kurven austrennen. Es macht wirklich viel Spaß, wenn man erst einmal die richtigen Werkzeuge besitzt. Nach­dem alle Ein­zelteile beisammen und – wichtig – darauf die gekennzeichneten Klebeflächen sorgfältig markiert sind, kann es losgehen. Der Bauplan ist so angelegt, dass möglichst keine Verzahnungen oder Verzapfungen vorgesehen sind. Die halten beim Ausschneiden nur auf und sind beim Verkleben mit Kontaktkleber eher lästig. Dafür muss man dann zum Ausgleich die Klebeflächen übertragen. Übrigens: Immer wenn von „Kleben“ die Rede ist, ist UHU por gemeint. Nur selten müssen andere Geschütze geladen werden und dann wird dies auch explizit erwähnt.

Hauptsache
Begonnen wird mit dem Verkleben von Rumpfseitenwand mit dem vorderen Rumpfspant, dem hinteren Rumpfspant und dem Mittelboden. Auch der Nasenspant kommt an seinen Platz und der Motorspant aus Pappelsperrholz wird bereits jetzt mit dem BL-Motor verschraubt. Nun kann man die zweite Rumpfseitenwand ankleben. Kleiner Trick: den Motorspant noch nicht mit der zweiten Wand verkleben. Das kann man später, also nachdem der Rumpf­boden drunter ist, mit Beli-Zell machen und dabei exakt den ­notwendigen Seitenzug von 1,5 Grad einmessen. Weiter geht’s mit der Bugfahrwerks-Einheit. Dazu gibt es ein Kästchen im Bauplan „Baugruppe des Bugfahrwerks“. Nun danach den Fahrwerksdraht aus 1,5-Millimeter-Federstahl mit der Kombizange zurecht biegen und nicht vergessen, vor der letzten Biegung die Messingrohr-Hülse aufzufädeln, die später als Lager dient. Auch das Stück Silikonschlauch zur vertikalen Begrenzung darf nicht vergessen werden.

Wiedervereinigung
Das Rumpf-Unterteil schließt nicht nur den Rumpfboden, sondern es beinhaltet auch noch die Tragflächen­anformung sowie einen Teil der Tragflächenholme. Letztere bestehen aus 3 × 0,3-mm-CFK-Profilstab und werden nachträglich ins Bauteil eingesetzt, indem das Depron-Teil mit Hilfe eines Stahllineals schön geradlinig entlang der gekennzeichneten Stellen durchtrennt wird. Anschließend einfach die CFK-Leisten dazwischen kleben, sodass alles wieder eine Einheit bildet. Jetzt kommt eine etwas ungewöhnliche Maßnahme, die aber prima funktioniert: Die beiden Quer­ruderservos der 3,7-Gramm-Klasse werden in einen exakt passenden Aus­schnitt horizontal so eingebracht, dass das Servo­ruder­horn später direkt mit dem Querruder verklebt werden kann. Dazu befindet sich der Servo-Drehpunkt zwangsläufig genau in der Scharnierachse. Später werden dann die Ausschläge senderseitig auf ein etwas geringeres Maß per Dual Rate und Expo programmiert und schon hat man eine absolut spielfreie Anlenkung. Wem diese Lösung so gar nicht gefällt, der kann selbstverständlich auch auf die althergebrachte Methode eines Zentralservos mit Gestänge­anlenkung zurückgreifen. Als nächstes wird der Rumpf­boden durch Walken über eine Tischkante mit der Hand derart vorgebogen, dass er ohne nachträgliches Biegen unter das bisherige Rumpf-Konstrukt passt. Stimmt alles, kann der Boden unten angesetzt werden.

An die Ruder
Jetzt kann das Bugfahrwerk installiert werden, indem man die aus Balsaholz bestehende Bugfahrwerks-Aufnahme an Ort und Stelle einklebt. Diese besitzt eine Unterteilung, zwischen die das Fahrwerks-Lagerröhrchen eingeklebt wird. Wichtig ist, die Fahrwerkseinheit mit einem spaltfüllenden, verstärkenden Klebstoff einzusetzen. Das kann 5-Minuten-Epoxy sein oder auch PU-Leim, wie beispielsweise Beli-Zell. Dann wird diese Baugruppe so ziemlich alles aushalten, was gemeinhin noch als „Landung“ durchgeht.

Solange der Rumpf noch oben offen ist, hat man richtig viel Platz, um in aller Ruhe die Servos und den Empfänger einzubauen. Die Servos stecken in passgenauen Aus­schnitten im Rumpf-Mittelboden und werden mit wenig PU-Leim fixiert, während sich der Empfänger über ein Stück Doppelklebeband freut. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, die Bowdenzug-Außenhüllen – PVC-Rohr, innen 1 mm, außen 2 mm – passend abgelängt einzusetzen. Wie im Bauplan dargestellt, ist das Bugfahrwerks-Ruder­horn mit dem Seitenruder-Servohorn zu verbinden.Da das Höhenleitwerk bereits im Bauteil der oberen Rumpfbeplankung enthalten ist, lässt sich ein schiefes Ankleben ausschließen. Am besten scharniert man das Höhenruder früh­­­zeitig an. Entweder mit einem Tesafilm­streifen oder einem UHU-por-Scharnier. Auch das Seiten­leitwerk ist mit einem Scharnier zu versehen und winklig zum Höhen­leitwerk aufzukleben. Jetzt, wo sich die Leit­werke an Ort und Stelle befinden, können auch die Ruder­­hörner angebracht werden, um die auf Mittenposition gebrachten Servos damit zu verbinden. Für die Leitwerks-Anlenkung ist 0,5-Millimeter-Stahldraht ideal, denn der spart hinten ein wenig Gewicht und lässt sich einfacher mit der Spitz­zange abkröpfen; 0,8er tut’s aber auch.

Flügel wachsen
Es wird Zeit für die Flügel. Die besitzen eine gewölbte Platte als Profil. Mit Absicht ist die Wölbung gering ausgefallen, damit das quirlige Flugzeug noch ansprechende Rücken­flugeigenschaften behält. Von der Flugdynamik her ist so eine gewölbte Platte immer besser als eine vom Shockflyer bekannte ebene Platte, dafür sollte man gerne ein paar Abstriche bei der Kunstflug-Neutralität in Kauf nehmen.Achtung, die Flügelhälften zunächst nicht ihrer späteren Kontur entsprechend ausschneiden – die Rohbauteile bleiben noch rechteckig, damit die Profilwölbung besser kontrollierbar ist. Ganz nebenbei entsteht auf diese Weise eine Flügelschränkung, die die Flugeigenschaften so unkritisch machen. Erst wenn man mit viel Gefühl und Augen­maß über die Tischkante walkend das Flügelprofil in das Rechteck-Rohteil eingebracht hat, können die eigentlichen Flügel-Bauteile gemäß Bauplan ausgeschnitten werden. Diese unterteilt man dann wieder, um einen stehenden CKF-Flachstab als Holm dazwischen zu kleben; nochmals mit der Schablone die Wölbung kontrollieren.

Jetzt wird das Querruder abgetrennt und wieder anscharniert, dann kann auch schon das Flügelpaar seitlich mit PU-Leim angebracht werden. Im Bauplan ist dazu eine Hilfsschablone abgebildet, die die V-Form garantiert und mit Leichtigkeit korrekt gelingen lässt. Die CFK-Holme müssen in den Knickstellen gut miteinander verbunden sein, dann hält der Flügel in der Luft allen Manövern stand. Hier eignet sich 5-Minuten-Epoxy, das sich nachträglich in die entsprechenden Stellen einmassieren lässt. Das war’s schon fast. Es fehlen noch wenige Kleinig­keiten wie der Hauptfahrwerksdraht aus 1,5-mm-Federstahl. Der lässt sich mit Hilfe einer Kombizange biegen. Das Fahr­werk wird abschließend mit PU-Leim unter dem Trag­flächenmittelstück festgeklebt, und zwar so, dass es vorn und hinten auf den CFK-Holmteilen aufliegt. Da­­­­­­durch werden die Landekräfte großflächig in die Struktur eingeleitet.

Schmuckstück
Als letzte Baumaßnahme ist die Kabinenhaube mit Hilfe einer Schablone und einem scharfen Skalpell vom Rumpf abzutrennen. Mit Tesafilm oder Magneten kann man die Kabinenhaube später abnehmbar gestalten und erhält damit bequemen Zugang zum Akku sowie der RC-Anlage.

Bei der Farbgestaltung kann das Internet wertvolle Hilfe leisten. Nach Ein­­gabe des Suchbegriffs „Super Falco“ in Google kommt einiges Interessantes heraus. Unter anderem auch die hier gezeigte weiß-rote, karogemusterte Variante der G-AWSU. Wem diese gefällt, der kann die Lackiervorlage von der Website www.modell-aviator.de herunterladen. Dort befindet sich auch eine mehrseitige PDF-Datei des Bauplans in DIN A4-Größe. Beim Ausdruck bitte darauf achten, dass im Druck­menü unter „Seitenanpassung“ „keine“ angehakt ist, sonst skaliert der Drucker eigenmächtig und der Nachbau wird nicht gelingen. Lackiert wird vorzugsweise mit Farben auf Wasserbasis, nämlich so: Alle Linien und Konturen werden mit einem schwarzen, wasserfesten Fineliner aufs Modell übertragen. Jetzt muss man nur noch die Flächen farbig ausmalen, zum Beispiel mit Leinwandmalerei-Acrylfarbe aus dem Bastelgeschäft. Die ist nicht teuer, deckt gut, riecht nicht und sie greift Depron nicht an. Mit einem weichen, hochwertigen Pinsel bewaffnet kann man die Gestaltung in aller Ruhe erledigen.